Ihr Standort: Maison > Biografien & Erinnerungen > Reise & Abenteuer >

Abenteuer Mekong: 5700 Kilometer von Vietnam bis ins Hochland von Tibet

Geschrieben von: admin auf 05. Oktober 2014 Veröffentlicht / 606 Download Klicken







Autor: Andreas Pröve
Etikett: abenteu mekong 5700
Share |

Gratis Abenteuer Mekong: 5700 Kilometer von Vietnam bis ins Hochland von Tibet PDF Download

Kurzbeschreibung

Mit Andreas Pröve auf seinem bisher extremsten Abenteuer: Als erster Mensch im Rollstuhl folgt er dem Lauf des Mekong, vom gewaltigen Mündungsdelta in Vietnam bis ins eisige Quellgebiet auf über 5000 Meter Höhe im tibetischen Hochland. Ob waghalsige Verkehrsmanöver zur Rushhour in Ho-Chi-Minh-Stadt, kambodschanische Tänze, die von der Schönheit der Welt erzählen, oder chinesische Lehrer, die rückwärts gehen – mit glühender Neugier und feinsinnigem Humor erweckt der Autor die verschiedenen Facetten des Alltags an der »Mutter aller Wasser« zu buntem Leben. Und es scheint, als habe Buddha während der Reise seine Hand im Spiel ...

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Andreas Pröve, Fotojournalist und ehemaliger Tischler, geboren 1957, verunglückte als 23-Jähriger mit seinem Motorrad und ist seitdem querschnittsgelähmt. Drei Jahre nach dem Unfall brach er zu seiner ersten großen Indien-Reise im Rollstuhl auf; später durchquerte er monatelang Asien, wo er unter anderem für »terres des hommes« über Kinderarbeit recherchierte. Auch den Vorderen Orient hat er ausgiebig bereist. Andreas Pröve erschloss sich mit dem Rollstuhl alle Erdteile. Von seinen Reisen berichtet er in packenden Reportagen und Multivisionen.  Er wurde mit dem Weitsichtpreis ausgezeichnet und veröffentlichte bislang drei Bücher: »Mein Traum von Indien«, »Meine orientalische Reise« und zuletzt »Erleuchtung gibt's im nächsten Leben«. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt Andreas Pröve in der Lüneburger Heide.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der ganz normale Wahnsinn   Auf dem Gehsteig habe ich einen herrlichen Blick auf die grüßte Attraktion der Stadt – den Verkehr. Was ich sehe, kriegt mein Verstand nicht zu fassen: ein Paradox, an dem jeder Chaosforscher seine Freude hätte. Es rauscht ein Meer bunt behelmter Geisterfahrer auf Mopeds in allen Richtungen an mir vorüber. Überall sehe ich Kollisionen voraus, hüre schon das Krachen von Blech und Plastik, doch nichts passiert. Es muss ein Wunder sein. Oder besitzen diese Menschen ein mir unbekanntes Sinnesorgan, das sie befähigt, sich mit schlafwandlerischer Sicherheit durch ein schier undurchdringliches Gewirr anderer Mopeds zu lavieren? Ich bin fasziniert. Grüßte Bewunderung habe ich für die Linksabbieger. Sie müssen sehenden Auges in den gegenläufigen Verkehr fahren. Eigentlich Selbstmord. Todesmutige Individualisten, Rebellen mit eigenem Kopf, kürzen den Kreisverkehr ab und fahren links herum, um sich den scheinbar unsinnigen Umweg zu sparen. Geht gar nichts mehr, muss der Bürgersteig herhalten. Spiegelt sich hier etwa die vietnamesische Mentalität? Wenn es so ist, muss es ein Volk von Querdenkern, Anarchisten und Partisanen sein. Auf Anhieb sympathisch. Nach einer Weile glaube ich, hinter den Überlebenstrick der Dschungelkämpfer auf zwei Rädern gekommen zu sein: Es ist der Blickkontakt, er muss es sein. Kommunikation mit den Augen ist das Geheimnis, denn die Hupe wird kaum bemüht, und eine spezielle Geste gibt es nicht. Mir ist klar, Ho-Chi-Minh-Stadt hält für mich ihren Initiationsritus bereit. Überlebe ich sie – und das bedeutet, alles zu vergessen, was ich in der Fahrschule gelernt habe –, bin ich optimal auf meine Reise entlang des Mekong vorbereitet. Ich docke das Handbike vor meinen Rollstuhl, setze die Kurbel in die richtige Position und lege den ersten Gang ein. Sogleich fühle ich mich wie der Kajakfahrer beim Einsetzen ins Wildwasser. Eine große Herausforderung wartet auf mich, ohne dass ich die leiseste Ahnung hätte, wie das Spiel ausgeht. Ich fahre den Bürgersteig entlang bis zu einer Absenkung und fädele mich in den Strom ein. Das klappt schon ganz gut. Doch beim Überqueren der Kreuzung kommt es fast zu einer Kollision mit einem Stadtbus. Sosehr ich auch den Blickkontakt mit einem Lächeln suche – und alle lächeln freundlich zurück –, ich bewege mich doch wie ein Fremdkürper in der Masse. Fluchtartig ziehe ich mich zum rettenden Ufer, zum Gehsteig, zurück. Offensichtlich fehlt mir irgendein Trick, um sicher über die Straße zu kommen. Es ist wohl das rechte Augenmaß für die passende Lücke. Immerzu stürze ich mich in den Verkehr. Und jedes Mal lerne ich dazu, vor allem, was ich eigentlich längst weiß: Mein Rolli ist genau sechsundfünfzig Zentimeter breit, und jede Lücke von sechzig Zentimetern reicht. Dann, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, gehüre ich plützlich dazu. Linksabbiegen gegen den Verkehr?, kein Problem, wie von selbst tut sich eine Lücke auf. Den Kreisverkehr austricksen?, niemand nimmt mir das übel. Jetzt der Härtetest: bei Rot über die Ampel fahren und in den Querverkehr eintauchen. Es funktioniert. Augenblicklich fühle ich mich wie der Teil eines gigantischen Fischschwarmes, in dem eine wundersame Harmonie alle Verkehrsregeln ersetzt, gerade so, als hätte Buddha seine Hand im Spiel – gerade so, als wäre ich unverwundbar. Welch ein Start für eine Reise, die fünftausendsiebenhundert Kilometer weiter in der chinesischen Provinz Qinghai an der Quelle des Mekong zu ihrem Hühepunkt kommen soll. Sieben verschiedene Namen wird der Fluss bis dahin haben, sieben buddhistische Länder durchqueren oder streifen. Für Millionen Menschen ist der Mekong die Lebensgrundlage, die »Mutter aller Wasser«. Im tibetischen Hochland, dort oben, wo er entspringt, nennen sie ihn Zaqu, das Wasser der Felsen. Doch bereits für die Chinesen in Yunnan ist er Lancangjiang, der Turbulente, Burma bezeichnet ihn als Mekaung Myit, majestätischer Fluss. In Laos und Thailand wird er zur Mae Nam Kong, der Mutter aller Wasser. Das Volk der Khmer sagt Tonle Thom, großer Strom, und schließlich mündet er in Vietnam mit dem Namen Song Cuu Long, Fluss der neun Drachen, ins Südchinesische Meer. Der Rest der Welt sagt einfach Mekong. Gleichzeitig verbindet er drei vom Krieg geschundene Länder: Vietnam, Kambodscha und Laos, die langsam das Trauma von Vülkermord, Flächenbombardements und Hungersnot überwinden. Dieser Fluss, die uralten Kulturen an seinen Ufern, die Menschen, die von ihm leben, und ihre Schicksale, all das wird der rote Faden für die kommenden Monate sein. Mit dabei ist mein Freund Nagender aus Indien, der, was Verkehrsregeln und den Umgang damit angeht, aus seiner Heimat einiges gewohnt ist. Er schaut eher gelangweilt dem Treiben auf der Straße zu. Wundert sich, was mich daran so fesselt. Für ihn müssen wir ein Moped besorgen. Vor ein paar Jahren wurde er in Delhi von dem angetrunkenen Fahrer einer Motorrikscha übel am Knie verletzt. Radfahren ist für ihn seitdem eine Qual. Davon ganz abgesehen, war Fahrradfahren sowieso nie sein Ding. Deshalb machen wir uns also auf den Weg, um ihn zu motorisieren. Das geht in Saigon, wie Ho-Chi-Minh-Stadt früher hieß, schnell. In einem der vielen Reisebüros um unser Hotel herum bekommen wir sogar die Adresse einer Mopedvermietung, die in Chau Doc an der kambodschanischen Grenze eine Filiale hat. Dort künnen wir das Moped abgeben. Während wir mit dem Mitarbeiter des Büros über unser Vorhaben sprechen und uns Infos zu den Formalitäten der Grenzüberschreitung nach Kambodscha holen, fällt mir auf, dass wir die Aufmerksamkeit des Wachmanns geweckt haben. Der Mittdreißiger, der mit offensichtlichem Stolz seine blaue Uniform mit Kordel und Schulterklappen zur Schau trägt, hatte zunächst mit verschränkten Armen im Eingang gestanden und mir dann beim Betreten des Büros die Tür geüffnet. Nun beugt er sich über unsere Unterlagen und gibt Kommentare ab, sehr zum Unmut unseres Gesprächspartners. Beim Verlassen des Büros redet er in gebrochenem Englisch auf uns ein. Zunächst begreife ich nicht, um was es ihm geht. Die Art und Weise, wie er spricht, die Intensität und sein missionarischer Eifer ist, wie ich richtig vermutet hatte, religiüs motiviert. Er hätte gehürt, welch lange Reise wir uns vorgenommen haben, und rät uns eindringlich, vor dem Start den Segen eines Ho Phap zu erbitten. Wir würden sonst die Reise nicht überstehen, nicht einmal heil aus der Stadt kommen. Gleichzeitig greift er zielsicher, ohne hinzuschauen, in seine Umhängetasche und zieht eine Postkarte heraus, die er mir in die Hand drückt, als wüsste er um die knappe Zeit, die ihm bleibt, uns zu überzeugen. Darauf abgebildet ist formatfüllend eine Art Ritterfigur, gestützt auf ein übergroßes, bluttriefendes Schwert. Ganz unpassend dazu das Lächeln auf dem Gesicht des Heiligen. Der arme Wachmann ist an die Falschen geraten. Er ahnt nicht, wie ungläubig und wenig empfänglich wir für Okkultes sind. Da bin ich mir mit Nagender einig. Gotteshäuser sind für Nagender, den Hindu, und für mich als Christ eher touristische Attraktionen. Das ist der Grund, warum wir mit Neugierde und Interesse seinem Rat folgen, die Pagode des Jadekaisers zu besuchen. Dort würden wir also von hüchster Stelle grünes Licht für unsere Reise bekommen. Zwei Mal fahren wir am Eingangstor der Pagode vorbei, ohne es zu bemerken. Nein, dies ist eine Wohnstraße, hier konnte es nicht sein. Bei dem Begriff »Pagode des Jadekaisers« stelle ich mir ein opulentes frei stehendes Gebäude vor, doch so etwas gibt es hier nicht. Man schickt uns aber erneut in diese Gasse. Käme uns nicht eine auffällig lärmende chinesische Reisegruppe entgegen, wir wären ein drittes Mal an dem unscheinbaren Tor vorbeigefahren. Einer Oase im Verkehrslärm gleich, finden wir uns in einen großen, grob gepflasterten Innenhof ein, dessen Mitte ein Wasserbassin dominiert. Der Platzbedarf der Schildkrüten in diesem Becken – sie sollen dem Besucher ein langes Leben prophezeien – entspricht ungefähr...

Suche mehr
Abenteuer Mekong: 5700 Kilometer von Vietnam bis ins Hochland von Tibet


·Download (Insgesamt 606 download)

 Download-Anweisungen:
 Wir bieten in der Regel drei Download-Links, können Sie die besten Download-Kanal zu wählen.

 Download Tutorial:
 http://ebook-gratis-dl.com/service/faq/

 
Lob
(0)
0%
KRITIK
(0)
0%