Ihr Standort: Maison > Belletristik > Klassiker >

Die Frauen von Ithaka: Roman

Geschrieben von: admin auf 16. Januar 2015 Veröffentlicht / 300 Download Klicken







Autor: Sándor Márai und Christina Kunze
Etikett: frau ithaka roman
Share |

Gratis Die Frauen von Ithaka: Roman PDF Download


Odysseus, der Herrliche, der Listenreiche, der Held des Trojanischen Kriegs, kehrt nach zwanzigjähriger Irrfahrt heim nach Ithaka. Doch niemand hat ihn vermisst. Als der Heimkehrer dann auch noch die 180 Freier seiner Frau Penelope erschlägt, ist es mit der friedlichen Familienzusammenführung endgültig vorbei. Spitzzüngig und kurzweilig erzählt Sándor Márai die private Familiengeschichte des vermeintlichen antiken Superstars.

Über den Autor und weitere Mitwirkende
Sandor Marai, geboren 1900 in Kaschau (heute Slowakei), starb 1989 in San Diego, Kalifornien. Er gehörte in den dreißiger Jahren zu den gefeierten Autoren in ganz Europa, geriet aber nach seiner Emigration in Vergessenheit. Mit dem internationalen Erfolg seines wiederentdeckten Romans "Die Glut" wurde Sándor Marai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gefeiert. Seit 1998 erscheinen seine Tagebücher, essayistischen Schriften und zahlreichen Romane - zuletzt "Befreiung", "Die Möwe" und "Die Schwester" - im Piper Verlag.

Christina Kunze, geboren 1971 in Berlin, studierte in Berlin und Budapest Hungarologie und Klassische Philologie. Sie überträgt u.a. Sándor Márai, Kriszta Bódis und Róbert Hász ins Deutsche.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Vorgesang Rechts am Arm das Seil gelockert. Er streckte sich.    Aus der Nähe kam der Gesang. Er horchte. Jetzt merkte er:  Sie sangen da, die Sirenen. Heiser, lüstern und verführerisch. Seine Gefährten schliefen. Wachs klebte in ihren Ohren. Sie träumten. Dass sie heimkehrten, und dass die Jungen oder die Alten Rache nähmen!   Er stöhnte auf, ohnmächtig. Na, wo bist du jetzt, Pallas Athene? Wasser klatschte ans Floß, das graue Meer sperrte den schrecklichen Schlund auf. Das Lied verklang in der Ferne. Die Segel kreischten laut. Plötzlich kam die Angst. Arme und Beine gaben nach –   Er stöhnte auf. Und fürchtete, er käme heim nach  Ithaka.   Erster Gesang Penelope   I Mein seliger Mann war ein ruheloser Mensch. Am liebsten war er auf Reisen. Doch selbst wenn er nicht unterwegs war, wenn er sich bei uns in Ithaka aufhielt, wenn er in meinem Bett lag und mich in den Armen hielt: Immer hatte ich das Gefühl, an Deck eines Schiffes zu sein oder auf einem langsam schwimmenden Floß. Das lässt sich schwer erklären. Wer mit ihm lebte, begab sich ebenfalls auf eine Reise, langsam und ausdauernd. Es war schwer, sich ihm zu nähern, weil er ständig dabei war, sich zu entfernen. An seiner Haut haftete der Geruch des Meeres. Über das, was uns widerfahren ist, über die Geschichte unserer Familie, sind in der Welt leider schon zu viele Worte verloren worden. In letzter Zeit wurde ich mehrfach gebeten, die Wahrheit zu sagen und meine Erinnerungen niederzuschreiben. All diese Bitten habe ich abgeschlagen. Nicht nur, weil ich derartige Eröffnungen für unter meiner Würde halte. Ich habe die Neugierigen eher deswegen abgewiesen, weil zu unserer Zeit – ich denke hier an die Zeit, als ich in der Gesellschaft meines Mannes lebte – das Schreiben noch eine außerordentlich gewöhnliche, niedere Beschäftigung war. Damals, als mein Mann und ich noch Menschen waren – genauer gesagt, als wir für kurze Zeit wieder einmal Menschen waren –, schrieben die vornehmeren Leute nicht. Wenn sie der Welt etwas zu sagen hatten, griffen sie zur Leier und sangen. Die Dichter und alle, die sich mit Worten ausdrücken konnten, verachteten das Schreiben, diese Sklavenarbeit, zutiefst. Sie schritten vielmehr im Wind dahin, die Leier in der Hand, und sangen dazu. Mein Mann mochte dieses fünfsaitige Instrument, und wir hielten in unserem Haus immer einen Sänger, der die Erlebnisse der Achäer in metrischen Versen vortrug. Dieser Mann wurde gesondert gespeist, und sogar Wein mischte man ihm in den silbernen Becher, dass er Lust zum Singen bekomme. Mein Mann förderte die Literatur. Ich erinnere mich noch an einen dieser Sänger, der längere Zeit in unserem Haus verweilte und sich dann später, als sich alles so schmerzlich und aufregend veränderte, auf den Weg machte und überall auf den Inseln seine Verse vortrug. Dieser Mann war blind. Noch heute sehe ich manchmal undeutlich sein Gesicht vor mir. Dünn war er und alt, und seine blinden Augen vermochten bisweilen den Eindruck zu erwecken, als sähe er tatsächlich etwas. Später habe ich mich viel über ihn geärgert. Die Geschichte, die er vortrug, war ungenau. Er sang alles Mögliche, so gut es ein Blinder eben kann, der die Wahrheit nur ahnt und sie nicht weiß. Die Wahrheit weiß nur ich, die ich im Bett meines Mannes gelegen und dann zwanzig Jahre lang auf ihn gewartet habe. Aber das Schreiben will ich nicht mehr lernen. Dafür bin ich zu alt, selbst wenn ich unsterblich, also ewig jung bin. Lieber erzähle ich, was ich weiß. Ich erzähle es langsam, so wie er manchmal sprach, wenn er sich – im Winter – mit uns an den dreibeinigen eisernen Glutkorb setzte und zu erzählen begann. Manchmal höre ich noch seine Stimme. Sie klang wie das Rauschen des Meeres. II Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Jetzt, da die Erinnerungen auf mich einstürmen, spüre ich ein Herzklopfen, als wäre all das, was ich zu sagen habe, zu viel, unfassbar, unendlich wie die See. Denn immer, wenn ich an meinen seligen Mann denke, erinnert mich alles an das Meer. An Land war er immer nur zu Gast. Aber auf dem Meer fühlte er sich zu Hause, und wenn er auf ein Schiff stieg, glänzten seine Augen. In Ithaka habe ich ihn nie mit so leuchtenden Augen gesehen, wie wenn er vom Schiff aus uns, den Daheimbleibenden, zum Abschied winkte. Vielleicht hasste ihn Poseidon auch deswegen. Er war eifersüchtig auf ihn. Darüber weiß nur ich Bescheid. Alles, was später geredet wurde, was der Schwätzer Teiresias am Tor zum Hades den Wanderern erzählt, ist erfunden und erlogen. Poseidon hasste meinen Mann nicht deswegen, weil der Polyphem seinen verkrüppelten, einäugigen Sohn getötet hat, dieses stotternde Rindvieh. In unseren Kreisen ist ein Mord ohnehin keine große Sache. In unserer Welt werden Leben und Tod anders gemessen als in der Menschenwelt: Wir, die wir Menschen und Götter zugleich sind, wissen, dass der Tod nur ein Missverständnis ist. Nein, Poseidon hasste meinen Mann, weil er auf ihn eifersüchtig war: Beide waren Götter, denn bevor die Griechen, die ich nicht leiden kann, in Arkadien und Böotien, der eigentlichen Heimat meines Mannes, einwanderten, gab es eine Zeit, in der das arkadische Volk meinen Mann als Gott verehrte. Der Gott des Meeres war er, lange. Später wurde er von den Griechen, diesem dahergelaufenen Gesindel, vertrieben, zusammen mit den anderen alten arkadischen Göttern. Degradiert wurde er, sie machten einen einfachen Helden aus ihm. Einen Helden, aus meinem Mann! Ich weiß, wovon ich rede, weil meine Vorfahren ebenfalls aus Arkadien stammen und göttlichen Ursprungs sind. Mein Vater Ikarios wanderte von dort nach Sparta aus. Hätte er das nur niemals getan! Aber vielleicht war auch dies der Wille der Götter, seiner mächtigen Verwandten! Doch immer der Reihe nach. Wenn ich von ihm spreche, fühle ich mich immer noch wie eine irdische Frau in den Wechseljahren, deren Blut bisweilen jäh in Wallung gerät. Alles war wunderbar an ihm – wunderbar und zugleich verdächtig. Ja, in Arkadien war er noch ein Gott, der Gott des Meeres. Doch unter den Göttern ist die Eifersucht groß. Pallas Athene, die mich manchmal hier auf der Insel Aiaia besucht – sie ist eine alte Freundin unseres Hauses, und bei etwas Ambrosia und einer Tasse Nektar unterhalten wir uns stundenlang über vergangene Zeiten, als es noch einen echten Olymp gab mit einem glänzenden Gesellschafts- und Hofleben –, Pallas Athene sagt, die Götter sind heutzutage gar nicht mehr so sehr aufeinander eifersüchtig, sondern eher auf die Menschen. Der Mensch, sagt meine eulenäugige Freundin, benimmt sich heutzutage wie ein Gott und ist prahlend zwischen Himmel, Erde und Wasser unterwegs wie einstmals der Wolkensammler Zeus: Der Mensch glaubt, er herrsche über die Elemente und die Welt … Diese Nachricht hat mich nachdenklich gemacht. Die Menschen – genauer gesagt die Griechen – haben, als sie die alten Götter, unter anderem meinen Mann, ins Exil trieben, einen einfachen, aber aus einer guten Familie stammenden arkadischen Gott zu einem griechischen Helden verfälscht. Diese Erniedrigung schmerzte ihn im Geheimen. Er redete auch nicht gern darüber, dass er einst ein Gott war. Und er verachtete Poseidon, den Titelusurpator, von ganzem Herzen. Dieser Dreckskerl ist nur dank der Griechen zum Gott erhoben worden … Ein Gott, den die Menschen geschaffen haben! Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der die Götter den Menschen schufen. Möglicherweise war das ein wenig übereilt. Manchmal höre ich schadenfroh, dass man nicht einmal seinen Namen richtig versteht. Die Sklaven, die heute die Bücher schreiben, streiten sich auf Zehntausenden von Seiten in dicken Wälzern darüber, was eigentlich sein richtiger Name war und was er zu bedeuten hatte. Sie wollen den Leuten einreden, dass mein Mann, als er – gezwungenermaßen – die griechische Staatsbürgerschaft annahm und sich in Ithaka niederließ, seinen Namen gräzisierte. Das ist eine Lüge. Bis zum Ende seines Lebens war er Ulysses, unser wunderbarer und fürchterlicher Herr. Die Sänger und Seher sprachen seinen...

Suche mehr
Die Frauen von Ithaka: Roman


·Download (Insgesamt 300 download)

 Download-Anweisungen:
 Wir bieten in der Regel drei Download-Links, können Sie die besten Download-Kanal zu wählen.

 Download Tutorial:
 http://ebook-gratis-dl.com/service/faq/

 
Lob
(0)
0%
KRITIK
(0)
0%